video: Riesen*Zwerge // March and April 2017 // Dschungel Wien

A satirical dance-theatre piece with small gestures and giant jumps.

In an episodic and partly bizarre way, five growing boys and three adults are looking at the world of today from their own point of view. Excesses of everyday life which is overstimulated by media versus „real life“. This kind of life needs the in-between and the art of transformation. Boys wear beards, because they wanna be like men. Grown ups acting like clowns, because they wanna play like children again. Small masterminds and big boasters becoming giants and dwarfs, but they will always be human.

They will dance, rap and make fun of everything what is actually going on in this world. No attention to global players, politicians, and wannabes. And right inside there is once own small Universe: you „like“ what you love or you become the next famous viral videostar.

Bert Gstettners choreographic work combines dance, theatre, circus and music. Riesen*Zwerge for him it is all about opposites, dimensions and proportions and how young people could affect these. The performers are exploring the opposites of small–big, young–old, reality–fiction in a scenery, which is made by Matthias Mollner. The focus is on the interaction between boys and adults, which link the different generations. Music is made by Günther Rabl, it helps to be transported into a mythical world with fairy tales and fantastic places.
choreography, staging, script: Bert Gstettner
performance, dance, co-choreography: Ákos Hargitay, Arne Mannott, Stefan Ried
T*H junior company: Benni Angelov, Luis Aue, Max Gstettner, Myron Olev, Herbert Pirker
stage: Matthias Mollner, costume: Hanna Adlaoui Mayerl, music: Günther Rabl
assistant: Vera Skala, organisation: Claudia Bürger
production Tanz*Hotel / Art*Act Kunstverein
supported by: WienKultur, Bildrecht GmbH

press (german):

Im Stück Riesenzwerge des Choreografen Bert Gstettner sehen die Herren der Schöpfung, wie widerlich viele Exemplare ihrer Art sind. Und weil dieses bissige Vergnügen im Dschungel Wien an ein Publikum ab zehn Jahren gerichtet ist, erfährt es der Nachwuchs auch. Gerade zur richtigen Zeit, denn spätestens ab diesem Alter werden die Youngsters von ihren Oldies in die digitale Faschiermaschine geschupft, die aus dem Nachwuchs gerne Human-Resource-Portionen macht. Drei Männer und fünf Jugendliche übernehmen bei Riesenzwerge die Titanenaufgabe, gegen diesen Mahlstrom anzutanzen. Dabei beachten sie strikt eine Grundregel: Nie unlässig wirken, keinen Augenblick pathetisch oder „engagiert“ daherkommen. Das öffnet die Tore zum jungen Publikum. In Riesenzwerge sind erst einmal die Großen klein, und die Burschen mokieren sich über die Statusgeilheit der Erwachsenen: „Hier im gläsernen Tower / hab ich allein die Power …“ Der rappige Knittelsprech passt zur Lächerlichkeit der vorgeführten Popanze: Managertypen, aus denen „Präsidenten“ werden („Ich bin der große weiße Riese“) und ein Golem, der sich zur Anbetung aufstellt. Das Affentheater von Smileys und Emojis, das den Jungen die Sprache wegnimmt, kommt übergroß daher wie das Gewehr in den Händen eines Zwergerltrump, der es schafft, alle niederzumähen. Die jetzt von jenen Monstern eingefangenen Jungen, die ihre Alten entfesselt haben, werden diese später fragen, warum sie da mitgetan haben. Elende Gesellschaft Im Programmfolder zitiert Gstettner Michel Serres‘ Worte von einer „panischen Angst“ junger Menschen, „in diese elende Gesellschaft einzutreten, die von uns Erwachsenen geschaffen wurde“. Diese beinharte Anklage nicht in verstörende, sondern spielerisch in ironische Szenen zu packen, ist bei Riesenzwerge ebenso gelungen wie die Ermutigung, sich keine „Alternativlosigkeit“ einreden zu lassen. Das Tanzstück Riesenzwerge ist weniger „gut“ gemacht als genau richtig. Die Darsteller von Gstettners Tanz*Hotel Junior*Company meistern fast alle Situationen, überwiegend sind sie wunderbar. Schließlich: Die Musik von Günther Rabl fährt ein, der Urban Dance kommt in der richtigen Temperatur daher. Das Publikum war dann auch durchwegs beeindruckt.

(Helmut Ploebst, 23.3.2017, derStandard)